Medikamentöse Begleitung
Für ME/CFS und viele andere postinfektiöse Erkrankungen gibt es bislang keine zugelassene medikamentöse Therapie, die die Erkrankung ursächlich heilen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Beschwerden grundsätzlich nicht medikamentös behandelt werden können.
Je nach individueller Symptomatik und bestehenden Begleiterkrankungen können verschiedene symptomorientierte Behandlungsansätze infrage kommen. Dazu können beispielsweise Beschwerden wie Kreislauf- und Regulationsstörungen, Schmerzen, Schlafprobleme, kognitive Beschwerden oder weitere Begleitsymptome gehören.
Auch Off-Label-Therapien können geprüft werden
Einige Medikamente werden bei ME/CFS, Long COVID und verwandten Erkrankungen außerhalb ihrer offiziell zugelassenen Anwendungsgebiete eingesetzt. Dies wird als Off-Label-Use bezeichnet.
Unsere Ärztinnen sind grundsätzlich bereit, auch solche Therapieoptionen zu prüfen. Eine Off-Label-Verordnung erfolgt jedoch niemals pauschal oder automatisch, sondern ausschließlich nach individueller ärztlicher Entscheidung.
Dabei werden insbesondere berücksichtigt:
- die persönliche Krankengeschichte und Symptomatik,
- vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinische Erfahrungen,
- mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen,
- bestehende Erkrankungen und Gegenanzeigen sowie
- das individuelle Verhältnis von möglichem Nutzen und möglichen Risiken.
Vor einer Off-Label-Behandlung erfolgt eine entsprechende ärztliche Aufklärung.
Individuelle Therapie statt Behandlung nach Schema
ME/CFS und Long COVID können sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich äußern. Deshalb gibt es bei uns keine festgelegte Medikamentenliste, die bei allen Patient:innen gleichermaßen eingesetzt wird.
Gemeinsam mit Ihnen bespricht die behandelnde Ärztin, welche symptomorientierten Therapieoptionen in Ihrer persönlichen Situation medizinisch sinnvoll und vertretbar erscheinen. Auch der weitere Verlauf einer medikamentösen Therapie wird ärztlich begleitet und bei Bedarf angepasst.
Eine bestimmte Verordnung oder ein Behandlungserfolg kann nicht zugesagt werden. Die Entscheidung über eine medikamentöse Behandlung liegt stets bei der behandelnden Ärztin.
Was bedeutet Off-Label-Use?
Off-Label-Use bezeichnet die ärztliche Anwendung eines zugelassenen Arzneimittels außerhalb des Anwendungsgebietes, der Dosierung oder anderer Bedingungen, für die das Medikament offiziell zugelassen wurde. Eine solche Behandlung kann im individuellen Einzelfall medizinisch sinnvoll sein, erfordert jedoch eine besonders sorgfältige ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung und Aufklärung. Ob eine Off-Label-Therapie infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin gemeinsam mit der Patientin.